Mit 18 Jahren endet die Zeit in der Jugendfeuerwehr – und eine neue beginnt. Der Übergang in die Einsatzabteilung ist ein kritischer Moment: Hier entscheidet sich, ob aus JF-Mitgliedern engagierte Feuerwehrleute werden. So gestalten Sie diesen Übergang erfolgreich.
Warum der Übergang so wichtig ist
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Nur etwa 50-60% der JF-Mitglieder wechseln in die Einsatzabteilung
- Viele verlieren in den ersten zwei Jahren nach dem Wechsel die Motivation
- Die häufigsten Gründe: Fehlende Integration, Überforderung, keine Bindung zur neuen Gruppe
Das Ziel: Jeden JF-Absolventen erfolgreich in die Einsatzabteilung integrieren.
Die drei Phasen des Übergangs
Phase 1: Vorbereitung (16-17 Jahre)
Der Übergang beginnt nicht mit 18 – er muss früher vorbereitet werden.
Maßnahmen:
-
Erste Einblicke ermöglichen
- Teilnahme an ausgewählten Übungen der Aktiven
- Besuch von Lehrgängen (Truppmann Teil 1)
- Bei Einsätzen am Gerätehaus dabei sein (ohne aktive Teilnahme)
-
Erwartungen klären
- Was erwartet die Jugendlichen in der Einsatzabteilung?
- Welche Pflichten kommen auf sie zu?
- Wie sieht der Ausbildungsweg aus?
-
Motivation aufbauen
- Erfolgsgeschichten von ehemaligen JF-Mitgliedern
- Perspektiven aufzeigen (Führungspositionen, Lehrgänge)
- Die Bedeutung der Feuerwehr betonen
Phase 2: Übernahme (ca. 18 Jahre)
Der offizielle Wechsel sollte feierlich und strukturiert erfolgen.
Die Übernahmefeier:
- Würdigung der JF-Zeit
- Offizielle Übernahme in die Einsatzabteilung
- Überreichung der Einsatzkleidung
- Vorstellung des Mentors/Paten
Administrative Aufgaben:
- [ ] Mitgliedsdaten übertragen
- [ ] Dienstgrad anpassen (Feuerwehrmannanwärter)
- [ ] In Alarmgruppe aufnehmen
- [ ] Schutzausrüstung ausgeben
- [ ] Spind zuweisen
Phase 3: Integration (erste 1-2 Jahre)
Die kritischste Phase: Hier entscheidet sich, ob das neue Mitglied bleibt.
Schlüsselmaßnahmen:
- Regelmäßige Teilnahme an Übungen sicherstellen
- Lehrgänge zeitnah ermöglichen
- Schrittweise an Einsätze heranführen
- Soziale Integration fördern
Das Mentoren-System
Ein erfahrener Kamerad als persönlicher Ansprechpartner ist Gold wert.
Aufgaben des Mentors
| Bereich | Aufgaben | |---------|----------| | Fachlich | Bei Übungen anleiten, Fragen beantworten | | Sozial | In die Gruppe integrieren, vorstellen | | Organisatorisch | Lehrgänge koordinieren, Termine erklären | | Emotional | Unsicherheiten nehmen, motivieren |
Auswahl des Mentors
Gute Mentoren sind:
- Erfahren, aber nicht zu alt (Identifikation)
- Geduldig und kommunikativ
- Selbst noch motiviert
- Zuverlässig verfügbar
Vermeiden Sie:
- Mentoren, die "keine Zeit" haben
- Zu große Altersunterschiede
- Personen mit negativer Einstellung
Dauer der Mentorschaft
- Mindestens 12 Monate
- Regelmäßige Gespräche (monatlich)
- Abschluss mit Feedbackgespräch
Ausbildung strukturiert planen
Der Ausbildungsweg sollte klar sein:
Erstes Jahr
-
Truppmann Teil 1 (falls nicht schon in der JF)
- Grundlagen der Feuerwehrarbeit
- Erste Lehrgangserfahrung
-
Truppmann Teil 2
- Vertiefung der Kenntnisse
- Praktische Anwendung
-
Erste Einsatzerfahrung
- Unter Anleitung
- Einfache Aufgaben
Zweites Jahr
-
Atemschutzgeräteträger (wenn geeignet)
- G26-Untersuchung
- Lehrgang absolvieren
-
Sprechfunker
- Kommunikation im Einsatz
-
Spezialisierung beginnen
- Maschinist, Technische Hilfe, etc.
Ein klarer Ausbildungsplan gibt Orientierung und zeigt Wertschätzung.
Häufige Probleme und Lösungen
Problem: "Die nehmen mich nicht ernst"
Ursache: Fehlende Integration, "Nachwuchs"-Stigma
Lösung:
- Mentor als Fürsprecher
- Erfolge sichtbar machen
- Verantwortung übertragen
Problem: "Das ist alles so anders"
Ursache: Kulturschock zwischen JF und Einsatzabteilung
Lösung:
- Frühzeitig gemeinsame Übungen
- Erwartungen vorher klären
- Geduld auf beiden Seiten
Problem: "Ich kann ja noch gar nichts"
Ursache: Überforderung, fehlende Ausbildung
Lösung:
- Lehrgänge zeitnah ermöglichen
- Bei Übungen schrittweise heranführen
- Erfolge betonen, nicht Defizite
Problem: Zeitmangel (Ausbildung, Studium)
Ursache: Lebensphase mit vielen Veränderungen
Lösung:
- Flexible Erwartungen
- Kontakt halten, auch bei Abwesenheit
- Wiedereinstieg ermöglichen
Checkliste für den Übergang
Für die Jugendfeuerwehr
- [ ] Frühzeitig über Übergang informieren (ab 16)
- [ ] Gemeinsame Aktivitäten mit Einsatzabteilung
- [ ] Truppmann Teil 1 ermöglichen
- [ ] Übernahmefeier organisieren
- [ ] Mitgliedsdaten sauber übergeben
Für die Einsatzabteilung
- [ ] Mentor zuordnen
- [ ] Ausbildungsplan erstellen
- [ ] Ausrüstung vorbereiten
- [ ] In Übungsgruppe integrieren
- [ ] Erste Lehrgänge planen
- [ ] Regelmäßiges Feedback einholen
Für das neue Mitglied
- [ ] Offen auf Kameraden zugehen
- [ ] Fragen stellen
- [ ] Regelmäßig teilnehmen
- [ ] Lehrgänge wahrnehmen
- [ ] Geduld mit sich selbst haben
Kennzahlen im Blick behalten
Messen Sie den Erfolg Ihrer Übergangsgestaltung:
- Übernahmequote: Wie viele JF-Mitglieder wechseln?
- Verbleibquote: Wie viele sind nach 2 Jahren noch dabei?
- Lehrgangsquote: Wie schnell absolvieren sie Lehrgänge?
- Zufriedenheit: Regelmäßig erfragen
Fazit
Der Übergang von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung ist ein kritischer Moment. Mit guter Vorbereitung, einem Mentoren-System und strukturierter Integration gelingt er erfolgreich.
Investieren Sie in diesen Übergang – denn jedes JF-Mitglied, das Sie verlieren, ist ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau weniger für die Zukunft.
Die Mühe lohnt sich: Gut integrierte ehemalige JF-Mitglieder werden oft zu den engagiertesten Kameraden, weil sie die Feuerwehr von klein auf kennen und lieben.